Samstag, 5. Dezember 2015

Durch die Pampa

Nach 2 weiteren Tagen auf See kamen wir am 9. November abends in Uruguay an, konnten aber erst am nächsten Morgen von Bord rollen. Der Kapitän war mit uns unten am Schiff und es war ein sehr netter Abschied von ihm. Wir bekamen eine Einladung, ihn daheim in Kroatien zu besuchen - wie nett!

Bis mittags dauerte es, ehe Zoll- und Einreiseformalitäten erledigt waren, aber das nur für uns und die Schweizer, weil unsere Papiere absolut o.k. und eindeutig waren - im Gegensatz zu den Franzosen und Holländern, die brauchten noch ein paar Stunden mehr.
Eigentlich hatten wir einen Platz ausgeguckt, an dem wir uns für die erste Nacht in Montevideo treffen wollten, aber der war dann doch nicht auffindbar. So haben wir uns neben einer Straße am Meer auf eine Wiese gestellt und konnten das urbane Leben der Uruguayer studieren. Alles, was 2 Beine hat und unter 35 ist, joggt ganz professionell, mit Smartphone am Oberarm und Stöpseln im Ohr. Die Älteren fahren mit dem Auto, stellen es ab, machen Dehn- und Streckübungen. Und dann gibt es noch die ganz Verrückten, die einen Personal-Trainer bestellen und mitten auf der Wiese im Park das ganz harte Programm durchziehen. Jede Menge Rennrad-Fahrer düsten vorbei - man hatte den Eindruck, die Stadt ist ein einziges Fitness-Biotop. Ziemlich heiß war es, wir haben eher faul im Auto herumgelungert und sahen dann am Nachmittag "unserem" Schiff beim Auslaufen zu. WinkeWinke!
Ist ja schon schön, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Und vor allem wieder das eigene Bett + Tageslicht beim Aufwachen! Am nächsten Tag war Auffüllen der Futterkisten angesagt, also haben wir uns in die Stadt begeben, eine Bank aufgetrieben und eingekauft. Und dabei die Highlights von Montevideo besichtigt. Weiter gings dann nach Punta del Este, wo Klaus die die zweite Hand sehen wollte. Ein Künstler hat sie installiert, wovon Klaus die Rechte in Chile schon gesehen hatte.
Als wir gerade dabei waren, herauszufinden, wo nun die Linke sich befindet, sprach uns eine Frau auf Deutsch an. Sie und ihr Mann sind weltweit auf der Suche nach einem Platz für den Ruhestand. Und sie waren erstaunt, wie wir mit dem Auto von Deutschland hierhergekommen sind. Es war ein netter Nachmittag bei uns im Auto mit viel Plausch & Austausch und sie zeigten uns dann die Hand. Najaaaaa.....Die Begegnung mit den Leuten war es eher wert, die waren real und richtig nett. Während die Hand doch ein wenig enttäuschte. Genauso wie der Ort selbst, der eine reine Ferienkolonie für die Reichen und Schönen ist und beinahe nur aus Hochhäusern besteht. Und nur in der Saison von Dezember bis März bevölkert ist, ansonsten ist es Tote Hose.


Da war Colonia del Sacramento, eine alte Stadt am Rio de la Plata, genau gegenüber von Buenos Aires, doch sehr viel stilvoller. Durch die alten Gassen mit zum Teil sehr groben Steinpflaster zu schlendern machte sehr viel mehr Spaß. Und immer wieder standen uralte Autos herum, wovon allerdings die wenigsten noch wirklich fahrtüchtig sind.


Weil die Autoversicherung für Südamerika noch nicht bezahlt war, mussten wir zusehen, nach Buenos Aires zur Agentur zu kommen. Mit der Fähre wären wir zwar in Nullkommanix in Argentinien gewesen , aber die Kosten standen einfach nicht dafür. Wir hatten noch ein wenig Zeit und so sind wir lieber die ca. 350 Km über Land gefahren. Und hatten noch einen netten Abend in der Botanik mit unglaublich vielen, sehr hellen Glühwürmchen in den nahen Büschen. Das war eine richtige Lightshow! Besuch von einer kleinen Gruppe Austauschschülern mit einer deutschen Betreuerin hatten wir auch noch.


In Buenos Aires wußte Klaus von einer große Allee in Hafen- und Stadtnähe, wo man mit dem WoMo stehen kann. War auch nett, wenngleich ziemlich laut wegen des Verkehrs. Das Wetter war nicht sehr freundlich, so machte ein Stadtbummel nicht so richtig Spaß. Aber wichtig war erst mal, Geld zu besorgen. Der arglose Tourist denkt, Kreditkarte in die Wand stecken und Scheine abgreifen. Ist aber nicht , weil :geht nicht. Und wäre auch doof, wenn es funktionierte. Der offizelle Kurs für Euronen ist nämlich ca. 1: 10, was für uns das Land recht teuer machte. Die Inflation ist sehr hoch und das Vertrauen ins Bankensystem ist extrem niedrig. So gibt es einen sog. " Blauen Markt". Auf der Einkaufsmeile Florida hört man nur "Cambio, cambio" und den Rufen sollte man folgen. Dann kriegt man nämlich in privaten?? Wechselstuben ca. 1:15, was unsere Kaufkraft doch sehr erhöht.


Und dann wollte ich Kultur-Tante doch sehr gerne die Buchhandlung sehen, die in einem alten Theater etabliert ist. Es war eine schier endlose Hatscherei in Gedränge über weitgehend kaputte Gehsteige in engen Straßen, aber wir haben es tapfer geschafft. Und es hat sich rentiert, der Laden ist wirklich toll!! Auf der Bühne (mit Vorhang) ist ein, sehr bevölkertes, Café, in den Rängen sind die Buchregale und alles sieht noch sehr authentisch und sorgsam gepflegt aus. Soweit ich das Buchangebot sichten konnte - mein Spanisch ist doch noch recht rudimentär, aber man kennt ja seinen Job - war sehr umfassend und es standen jede Menge Leute an den Kassen (die ehemaligen vom Theater) an. Die Argentinier sind wirklich Buchliebhaber, das freut das kleine Buchhändlerinnen-Herz. Am nächsten Tag mussten wir nochmal in die Stadt, einiges besorgen, aber es begann alsbald wieder ordentlich zu regnen. Und so kamen wir einige Stunden später nass bis auf die Knochen wieder am Auto an. Nicht lustig! Und schon gar nicht lustig war, als der Regen immer stärker wurde und Sturzbäche von Wasser ins Auto strömten. Überall Schüsseln aufstellen, Aufnehmer positionieren - es war ein rechter Kampf gegen die Elemente. Aber wir haben dann schon alle Schwachstellen gefunden und sie weitgehend eleminieren können.


Was gut war, denn nach Tagen langweiliger Fahrt durch die Pampa - die ihren Namen wirklich verdient - haha - nur endlose Felder und Viehweiden - erreichten wir Patagonien und kriegten gleich das volle Programm der hiesigen Wetterbedingungen mit. Im Auto konnte man durch den heftigen Wind eher seekrank als auf dem Schiff werden, der Hagel klang, als seien wir in einem Guerilla-Krieg unter Beschuss geraten, nach nur Minuten heftigen Regens standen wir in einem See, der uns darüber nachdenken ließ, sich für ein Amphibien-Fahrzeug zu entscheiden. Aber man gewöhnt sich dran, am nächsten Tag war das Unwetter sehr ähnlich und wir haben es einfach tapfer durchgestanden. Und dann wurde es erst mal besser. Auf dem Weg zu den Seelöwen und den Papageien haben die blöden Viecher zwar die Reihenfolge nicht eingehalten, aber das war vielleicht das Nette daran. Kaum werden sie von den Touristen entdeckt, sagen die sich: Nööö, wir haben keine Lust, von den Leuten beglotzt zu werden, wir verzupfen uns lieber. Und Recht haben sie!

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