Mittwoch, 17. Dezember 2014

Nun aber Afrika


Morgens also die große Einkaufstour und dann, mit vollen Vorratskammern, auf zum Ticket-Kauf für die Fähre und ab zum Hafen. Da standen wir einige Stunden herum, was immer wieder gemütlich (?) ist. Einigermaßen pünktlich haben wir gegen 16 Uhr den Hafen verlassen, kamen in der Dämmerung in Tanger an und bis alle Formalitäten erledigt waren, umfing uns Finsternis.

Nur mussten wir noch aus dem Hafen raus und vor allem Sprit fassen. Beide Autos waren quasi leer, in Marokko ist der Diesel sehr viel billiger. Es sollte alsbald eine Tankstelle geben, aber wie wir auf einem Autobahn-Schild sahen, war die nächste Futterstelle erst nach 20 Km. Doof, wenn es auch noch bergauf geht. Wir versuchten, recht eng beieinander zu bleiben, um im Notfall uns gegenseitig Hilfe geben zu können,  wir mit dem Großen Blauen waren es dann, die mit dem buchstäblich letzten Tropfen Diesel in die Tanke einrollten.

Wir übernachteten auch gleich auf dem Parkplatz daneben, obwohl uns ein heftiger Geruch nach altem Fisch entgegen schlug. Aber in der Düsternis noch einen komfortableren Platz zu finden, erschien uns recht unwahrscheinlich. Man kann ja auch mal mit geschlossenen Fenstern schlafen….

Der nächste Morgen empfing uns ohne wesentlichen Geruch und mit Sonnenschein, so sind wir frohgemut ins berüchtigte Rif-Gebirge aufgebrochen. Den freundlich winkenden, lichthupenden Männern rechts und links der Straße haben wir ebenso nett, aber eindeutig ablehnend geantwortet. Beim Brotkauf-Stop in einem Dorf quasselte mich ein Cannabis-Bauer zwar in Grund und Boden, aber mein Verweis auf den kompetenten Chef im großen Auto brachte ihn an seine Grenzen, er sah ein, dass mit uns nix geht.

Nee, ist nicht wirklich ein Problem, die Leute wollen ein Geschäft machen, wissen aber auch sehr gut, wo es wenig Zweck hat, weiter zu insistieren.

So konnten wir recht entspannt die schöne Landschaft genießen und haben einen Zacken in die Landstraße gehauen, um einen Abstecher nach Chefchouen zu machen.

Ist natürlich immer ein Problem, mit den großen Autos in eine kleine alte Stadt zu fahren, aber da muss man Kompromisse finden. Und einmal mehr Kompromisse, wenn man mit 2 dieser Kaliber unterwegs ist. Und dazu noch unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten der Bewohner unter einen Hut kriegen muss.

Das haben wir sehr bravourös hingekriegt und sind entspannt durch diese faszinierende alte Stadt geschlendert.

Dieser Blau-Farbenrausch! Wieso braucht man dazu noch Cannabis?

Derart positiv motiviert sind wir weiter südlich gefahren und landeten in einer größeren Ortschaft, die auf der Karte meines Vertrauens ü-ber-haupt nicht verzeichnet ist. Verzeihung, Herr Michelin, aber das nehme ich übel!

Inzwischen allerdings denke ich, wir haben Bielefeld entdeckt, das es bekanntermaßen nicht gibt. Jedenfalls habe ich das mal handschriftlich in der Karte nachgetragen…

Wobei man Bielefeld durchaus empfehlen kann. Der Markt war zwar matschig unter den Füßen, aber die Stände überzeugten durch Vielfalt und Frische im Angebot. Da Mittagszeit, ließen wir uns Brouchettes bruzzeln, was köstliche, gegrillte Fleischstückchen sind. Die kriegt man dann mit einigen Gemüsen serviert, ohne Teller und Besteck. Man klaubt das Zeugs einfach mit reichlich gebotenem Brot auf und stopft es sich in den Mund. Gar köstlich!

Moulay Idriss, eine wichtige moslemische Pilgerstätte, wollten wir eigentlich ansehen, aber da war wieder das Problem mit den großen Autos in einer engen alten Stadt, so haben wir den Versuch abgebrochen und sind nach Volubilis gefahren. Da konnten wir unten am Fluss stehen bleiben, um am nächsten Morgen gemütlich durch die Reste der Römer-Siedlung zu laufen. Recht windig war es, aber wenigstens trocken.

Da es in Meknes keine passable Lösung für uns und die großen Autos gab, sind wir weiter nach Fes gefahren, dort gibt es einen Campingplatz in Stadtnähe, den wir schon einmal frequentiert hatten.

Unsere Erfahrung von vor zwei Jahren bestätigte sich: die Fassi können wesentlich besser hupen als Auto fahren. Wir mussten quer durch die Stadt und ständig blockierte irgendein Hirni irgendwas. Vor einem Kreisverkehr schritt die Polizei energisch ein, weil ein LKW und ein PKW, der Frau und Kind in 2. Reihe einladen wollte, absolut alles blockierte. Mit deutlichem Hinweis auf unsere 2 großen Autos dahinter machten die Polizisten die Fahrer so richtig rund. Wir haben amüsiert das Spektakel beobachtet und hatten alsbald wieder freie Fahrt.

Für den nächsten Tag hatten wir eine Fes-Besichtigung ins Auge gefasst, aber das Wetter war gar nicht danach. Kalt, Regen – nur ungemütlich. So haben wir das auf den nächsten Tag verschoben, was nur gut war.

Da schien die Sonne und wir brachen auf. Durch die Medina mit Führer, was sinnvoll ist, denn ansonsten würde man sich dort hoffnungslos verlaufen, weil so riesig, eng und unübersichtlich.

Der Führer hatte nicht mit unserer Kauf-Resistenz gerechnet, wir widerstanden den Mosaiken, dem Leder und den Teppichen. Dabei hatte er uns so dringend davon überzeugen wollen, wie wichtig es ist, den Touristen die Handwerkskunst als wesentliches Kulturgut präsentieren zu müssen. Wobei er sicher Provisionen kassiert hätte, wenn wir dem Kaufrausch erlegen wären, da konnten wir mühelos widerstehen.

Aber entsprechend frostig verabschiedete er sich.

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