Sonntag, 7. August 2016

Chaco


Mehr und mehr erliegen wir der Faszination von Paraguay. Ein Land, über das man nicht
Lapachos, die für Paraguay typischen Bäume

viel weiß, das von Südamerika-Reisenden meist links liegen gelassen wird, weil es (vermeintlich) nichts Spektakuläres zu bieten hat. Stimmt auch erst mal - keine sensationellen Berge, Gletscher, Wasserfälle. Um so spannender ist es, denn  es ist ein
noch recht unentdecktes Naturparadies. Fauna und Flora sind unglaublich artenreich und man muss nicht Unsummen für Naturpark-Eintritte zahlen, um dann doch nicht die versprochenen Tiere/Pflanzen sehen zu können. Schon der gemütliche Aufenthalt in Altos bei René und Marion (wo wir schon mal waren) bot einige tolle Sachen. Ich guckte versonnen aus dem Autofenster und da saß ein Tukan im Baum über uns. Natürlich war er weg, ehe ich den Fotoapparat 'rausgekramt hatte.

Dann kam René mit Früchten, die jeder eindeutig als Mandarinen  bezeichnet hätte. Sahen so aus, benahmen sich so - farb- und schalentechnisch. Sind aber Zitronen, wie ein Geschmackstest eindeutig ergab. Allerdings hat der Saft etwas durchaus mandariniges und ist auch orange.  Was mich gleich auf die Idee brachte, daraus marokkanische Salzzitronen zu machen. Sie sind in Arbeit und ich bin sehr gespannt. ob das was wird!

Nachdem wir unser Auto-Reparatur + Wasch-und Putzprogramm erledigt hatten, sind wir nach Norden, ins Chaco, aufgebrochen. Das ist eine eigentlich unwirtliche, aber sehr spannende Gegend, die von Mennoniten urbar gemacht wurde. Fernheim ist eine Siedlung, die von Russland-Deutschen gegründet wurde, die Ende der 20er Jahre aus Russland vertrieben wurden, zuerst in Deutschland Aufnahme fanden und für die Hindenburg eine Lösung fand. Sie konnten nach Paraguay, weil die gegenseitigen Bedingungen erfüllt werden konnten. Wenn sie  - die
Mennoniten - das Chaco urbar machen, müssen sie keinen Wehrdienst leisten, genießen Religionsfreiheit. Und das ist offensichtlich sehr gut gelungen.  Man staunt nur, wenn man sieht, was hier aufgebaut worden ist. Propere Siedlungen, die eine funktionierende Gemeinschaft managt und in der es sich offensichtlich recht gut leben lässt. Sehr viele, auch recht junge Leute, sprechen noch Deutsch, meist ein wenig altmodisch und mit deutlich hörbaren russischen Akzent. Aber das erleichtert uns die Kommunikation erheblich.
Touristen gibt es hier nicht all zu viele, also werden auch wir viel angesprochen und endlich kann man sich ausgiebiger austauschen. Wir fragen viel und nur allzu gerne erzählen die Leute. Sind uns andererseits außerordentlich behilflich. So haben wir nun z.B. superschicke Sitzauflagen aus Wasserschwein-Leder. Eigentlich wollte Klaus welche aus Schaffell nähen lassen, aber es waren keine Schaffelle aufzutreiben. Dafür bot man uns das Wasserschwein an. Ist eine prima Alternative.

Im Chaco typisch und heimisch ist der Flaschenbaum, den es zwar woanders auch gibt, aber wohl nicht so ausgeprägt wie hier. Jedenfalls haben wir hier die bisher schönsten  Exemplare gesehen. Auf dem Weg nach Filadelfia (Siedlung Fernheim) gab es schon jede Menge davon. Und auf dem Weg sahen  wir etliche Ameisenbären. Leider die meisten überfahren am Straßenrand, nur einen Lebendigen. Die tapferen Gesellen stellen sich bei Gefahr aufrecht mit ausgebreiteten Vorderpfoten
dem Gegner entgegen. Klappt nur leider bei Autos gar nicht. Da sollte der Herr Darwin ein wenig nachbessern, denn die Tiere sind leider inzwischen ziemlich selten geworden.
Die Laguna Capitán wurde uns warm empfohlen, nach ein wenig Fragerei haben wir auch den Weg dahin gefunden, denn sie ist auf keiner Karte eingezeichnet, wir wussten nicht mal genau die Lage. Das war ein toller Tip, wir sind einige Tage dort geblieben. Bekannt ist die Laguna für die zahlreichen  chilenischen Flamingos, die im Winter ankommen. Die gab es nicht, aber Flamingos haben wir nun wirklich schon viele gesehen, da war das zu verschmerzen. Es
gab genug anderes Geflügel, unglaublich viele Arten und die in jeweils  großen Mengen. Tapire soll es dort geben, wir haben allerdings nur etliche Spuren von ihnen am Ufer gesehen. Aber wenigstens haben wir die Kaimane entdeckt, die im See direkt neben uns wohnten.



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